Soeben lese ich mal wieder die Nachrichten auf
www.wissenschaft.de und stolperte plötzlich über einen recht interessanten Artikel mit dem Titel
"Verkehrszählung per Handy".
Hm, hört sich interessant an, wo wir doch in der Veranstaltung
Ausgewählte Themen II - Mathematische Modelle bei Prof. Dr. M. Kschischo über die Verwendung mathematischer Modelle bei der Stauvorhersage be- bzw. angesprochen hatten.
Schon nach der Einleitung wurde mir aber klar, dass ich mit falschen Erwartungen an diesen Artikel heran gegangen bin.
Es geht in diesem Artikel
leider weniger um den mathematischen Hintergrund, als vielmehr um eine Methode zur "Aufspürung ahnungsloser Handynutzer".
Über die Signale mitbewegter Handys in Autos wollen amerikanische Forscher den aktuellen Verkehrsfluss auf den Straßen im Blick behalten. Mit diesen Informationen könnten exaktere Stauvorhersagen gemacht und Verkehrsleitsysteme entsprechend angepasst werden.
"Guten Morgen? Heißt das nicht, dass Handynutzer somit jederzeit
legal kontrolliert werden können?"
Ich lese weiter und stoße auf diesen Absatz
Ist ein Handy eingeschaltet, so hält es ständig den Funkkontakt zum Sendemasten mit dem besten Empfang. Selbst wenn der Nutzer nicht telefoniert, prüft sein Handy ständig die Empfangsqualität der umliegenden Stationen.
Nun gut. Ich bin nicht von gestern und mir ist auch sicherlich bewusst, dass auch zu diesem Zeitpunkt schon solche Praktiken in den Zentralen der Kriminalämter und des Bundesnachrichtendienstes zum Standard gehören, aber der Unterschied liegt doch darin, dass mit diesen Stauvorhersagen keinerlei Regelverstoß des Bürgers vorliegen muss. Noch nicht mal ein Verdachtsfall.
Ich bin wirklich niemand der oft paranoid ist, aber das geht mir dann doch schon einen Schritt zu weit.
Es steht zwar weiterhin im Artikel
Diese Daten übernehmen die Forscher in anonymisierter Form für eine Gesamtdarstellung des Verkehrs in einer ganzen Region.
, aber wer soll das kontrollieren?
Nun gut. Die Tests wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika durchgeführt, was ja noch lange keine Erlaubnis für Deutschland impliziert, nichtsdestotrotz finde ich diese Art der
"Kontrolle" doch sehr zweifelhaft.
Wollen wir dieses Stück Freiheit wirklich für bessere Stauvorhersagen aufgeben?
Da stehe ich ehrlich gesagt lieber Tag für Tag morgens 60 Minuten im Stau.
Das Experiment als solches finde ich durchaus sehr interessant und ich sage auch keineswegs, dass die Wissenschaftler das im Kopf haben, was ich hier anspreche. Aber sobald eine wissenschaftliche Entdeckung oder Entwicklung zur "Sicherung des Staates" oder noch besser "zum Kampf gegen den Terror" (*lach und kopfschüttel*) dienen kann, sind Prinzipien von Forschern doch eigentlich nichts mehr wert.
Gerne höre ich Eure Kommentare.
Grüße, Benni.