"AJAX richtig verkaufen", eine subje ...

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Nov 18: "AJAX richtig verkaufen", eine subjektive Kritik

"AJAX richtig verkaufen", so heißt ein Artikel von Florian Müller in der aktuellen Ausgabe des Javamagazins, 12.06.

In diesem einseitigen Artikel schreibt der "Consultant" über eine gute Strategie, um AJAX-Anwendungen an den Mann zu bringen.
Generell ein interessantes Thema, da AJAX, Web 2.0 und Co. zwar in aller Munde sind, aber oftmals ein Mangel an Wissen bzgl. dieser Trends bei den Kunden besteht.
Ich habe mich also interessiert auf diesen Artikel, zu finden auf Seite 76, gestürzt und kann nur sagen .. ich fasse nicht, was ich dort gelesen habe. Ich habe weiterhin lange überlegt, ob ich meinen Gedanken in diesem Blogeintrag freien Lauf lassen soll oder ob ich mir damit eventuell ins eigene Fleisch schneide.
Fakt ist aber, dass die "Strategie", so wie sie vom Autor beschrieben und angepriesen wird meines Erachtens absolut inakzeptabel und auf keinen Fall zu empfehlen ist, sofern man professionell und vor allem auch im Voraus beratend arbeiten möchte.
Um was geht es nun in dieser Kolumne.
Der Autor beschreibt eine Situation, in der ein Kunde ein System zur Erfassung und Verwaltung von Mitarbeiterdaten, der Urlaubsplanung etc. in Auftrag geben möchte. Es soll sich dabei um eine verteilte Anwendung handeln, die unternehmensweit über das Netzwerk abrufbar sein soll; quasi von jedem Arbeitsplatz des jeweiligen Mitarbeiters aus.
Laut Autor stellt sich die Situation so dar, dass der Auftraggeber die Devise ausgibt, Zitat: "Hauptsache, es läuft!"

Stop!
Wie bitte? Das ist doch wohl kein Beispiel, dass man anbringen kann. Sicherlich ist dies der Realität oftmals nicht allzu fern, allerdings muss man an dieser Stelle doch davon ausgehen, dass sich die entsprechenden Mitarbeiter in einem Unternehmen im Voraus informiert haben bzw. sich bei einem Gespräch informieren wollen!
Mit so einer Situation ist in meinen Augen der gesamte Artikel von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Aber weiter ...

Der Autor gibt eine sehr interessante Regel an.

Wenn Sie ernsthaftes Interesse an der Gewinnung der Ausschreibung haben, greift hier Regel Nummer 1 für das Verkaufen von Ajax-Projekten: Nutzen Sie den Markt und dessen Trends!"

Damit meint der Autor, dass man dem potentiellen Kunden anhand einer Demonstration, die man "mit wenigen bis gar keinen HTML und JavaScript-Kenntnissen" erstellen kann. Stichwort: Mockup.

Also beim besten Willen, sehr geehrter Herr Müller. Wenn man keine Kenntnisse in JavaScript und HTML hat, sondern eine Demonstration nur durch das Zusammenbasteln von unterschiedlichen Frameworkkomponenten erstellen kann, dann sollte man eventuell mal darüber nachdenken, ob die von Ihnen geschilderte Beispielausschreibung nicht vielleicht ein oder vielleicht auch drei Nummern zu groß ist!
Aber nun gut .. weiter.

Die eigentliche Strategie sieht nämlich so aus.
Für den Mockup selbst gilt dann ganz einfach: je "Ajaxiger" der Mockup, desto Größer die Kundenbegeisterung!

Und damit wären wir wieder da angelangt, von wo wir wegwollen. Zig Skriptkiddies, die ein wenig mit AJAX spielen und eigentlich nicht in der Lage sind über den Tellerrand der gecrackten Dreamweaver-Instanz hinauszublicken.
Ein wirklich wahnsinnig guter Tipp, der noch detaillierter beschrieben wird.
Zeigen Sie dem Kunden, wie er in Ihrem Mockup Kundenstammdaten löschen kann, indem er sie einfach via Drag&Drop in einen Papierkorb ziehen kann, oder demonstrieren Sie ihm, wie er die Mitarbeiterdaten mittels auto-sortierbarer Tabellen durchsuchen kann. Verwenden Sie Bäume [..] und jonglieren Sie mit bunten Pop-ups für Dateneingaben.

Ja! Was ist denn nun passiert? Sind wir hier im Kindergarten? Das JavaMagazin hat wirklich oft sehr sehr interessante Artikel, die auch mich als Laien fesseln. Dieser Beitrag ist in meinen Augen eines solchen Fachmagazins nicht würdig. So etwas würde nicht mal in unserem Miniforum präsentiert werden.

Bunte Pop-ups? Also .. da habe ich keine Worte. Jeder, der sich etwas mit der Materie der Entwicklung von z.B. Webanwendungen auskennt sollte wissen, dass ein Maß an JavaScript sehr interessant ist, aber man eine Anwendung doch durch zu viel unbedachte Spielerei sehr leicht ins Kindische und Lächerliche ziehen kann.

Ein Kunde, der Stammdaten verwalten will, will Stammdaten verwalten. Ihm ist es egal, ob das Pop-up blau oder rosa ist. Letztlich sollte die ganze Intranetanwendung sowieso zum Corporate Design des Unternehmens passen.
Bäume zur Darstellung sind interessant, aber man sollte sie nicht nur deswegen anwenden, weil sie so toll sind.

Der Autor will dem Leser weiterhin weismachen, dass eine Erstellung einer AJAX-basierten Anwendung bzw. deren Frontends schneller vonstatten geht, als z.B. eine simple PHP, HTML-Anwendung. Beim besten Willen .. das ist eine absolut nicht nachweisbare und in meinen Augen sogar falsche Darstellung der Tatsachen.
Die Strategie des geschätzten Herr Müller besteht also daraus dem unwissenden Kunden vorzugaukeln, dass die eigene Lösung viel besser ist, als andere, non-AJAX-Anwendungen.

Letztlich gibt es tatsächlich einen Satz, der das zuvor gesagt etwas abschwächt
Natürlich darf Ajax an dieser Stelle nicht überschätzt werden, denn das GUI ist in der Regel lediglich Mittel zum Zweck und nicht Kern der Anwendung.

Danke. Gut ist aber, dass man das dem Kunden ja nicht sagen muss. Soll der lieber im Glauben bleiben, man hätte die non-plus-ultra Anwendung gekauft!

Das Fazit hat meiner Ansicht nach genau auf das richtige Niveau
.. in einem Satz auf den Punkt gebracht werden: bessere Oberflächenqualität für weniger Geld ..

Bessere Oberflächenqualität? Nunja, das liegt ja nun wirklich mal an den Kompetenzen des jeweiligen Entwicklers!
Weniger Geld? Weil man ein Framework verwendet oder wie? Drei Buchstaben: lol!

Ich befürworte den Einsatz von AJAX in Intranetanwendungen, allerdings ist mir die Verkaufsstrategie, wie sie hier vorgestellt wird zuwider.


Ich bin kein Arbeitnehmer. Ich habe außer während meines Praxissemesters noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, welches sich mit der Entwicklung von Software beschäftigt. Ich bin Student und demnach absoluter Laie, was das reale, tagtägliche Arbeitsleben angeht.

Aber dieser Artikel ist selbst (oder vielleicht auch gerade?) für mich absolut unterste Schublade. Ich kann nur jedem raten sich von solchen Strategien fernzuhalten. Man schadet nur seinem eigenen Ruf, wenn man mal einen Kunden hat, der eventuell etwas mehr über AJAX und diverse Trends weiß, als er zugibt. Weiterhin sind es genau solche Leute, die AJAX von einer gelungenen Technologie aus Abstellgleis bringen. Zu viele schlechte AJAX-Programmierer machen die Technologie sicherlich nicht besser.
Das, was in diesem Artikel in meinen Augen beschrieben wird, fördert aber gerade diejenigen, die eigentlich nicht so wirklich wissen, was sie zu tun haben ...


Einige Argumentationen habe ich nicht in den Beitrag mit eingebracht .. liegt wohl auch an der Uhrzeit .. uff ... schon halb fünf.
Ihnen Herr Müller wünsche ich viel Erfolg bei Ihrem nächsten Artikel im JavaMagazin. Mich haben Sie mit dem hier kritisierten als interessierten Leser verloren.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Spaß bei der Entwicklung qualitativ hochwertiger Software.

Grüße, Benni.


[PS]
Bitte verzeiht Rechtschreibfehler .. :-) ich werde morgen nochmal drüberlesen, bin jetzt gerade zu müde.
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